Auf einen Blick
Die Hämodialyse ist ein klassisches Dialyseverfahren. Folgende Punkte zeichnen diese Form der Dialyse aus:
- Das Blut wird außerhalb des Körpers durch eine “künstliche Niere”, den Dialysator, gefiltert.
- Vor der ersten Dialyse ist das Anlegen eines sogenannten Dialyse-Shunts notwendig, was im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffs geschieht.
- Die meisten Patienten gehen dreimal pro Woche für drei bis fünf Stunden ins Dialysezentrum, wo sie umfassend medizinisch betreut werden.
- Unter bestimmten Voraussetzungen ist es auch möglich, die Hämodialyse von Zuhause durchzuführen. Die Heimhämodialyse bietet mehr Freiheiten und Flexibilität, erfordert aber auch ein aktives Mitwirken und Eigenverantwortung seitens des Patienten.
Wie Ihre individuelle Dialysebehandlung aussehen wird, besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Nephrologen.
Was ist eine Hämodialyse?
Die Hämodialyse ist die am weitesten verbreitetste Art der Dialyse. Bei dieser Technik wird das Blut außerhalb des Körpers in einer “künstlichen Niere”, dem Dialysegerät, gereinigt und dann dem Körper wieder zugeführt.
Das Dialysegerät enthält einen Filter (Dialysator) sowie eine spezielle Flüssigkeit (Dialysat). Das Blut fließt ähnlich wie bei einer echten Niere durch Kapillaren, die eine semipermeable Gefäßwand aufweisen. Dies bedeutet, dass nicht alle Stoffe die Membran passieren können. Während sich auf der einen Seite der Membran das Blut befindet, fließt auf der anderen das Dialysat. Da so ein Konzentrationsgefälle entsteht, werden bestimmte Stoffwechselabfallprodukte dem Blut entzogen.
Gleichzeitig wird die Dialysierflüssigkeit individuell so angepasst, dass nötige Substanzen dem Blut hinzugefügt werden können. Außerdem dient die Dialyse zur Wasserausschwemmung: Flüssigkeit, die sich im Gewebe abgesetzt hat, kann über das Blut entzogen werden.
Die Hämodialyse findet in bestimmten Dialysezentren statt, die Patienten mehrmals die Woche besuchen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, die Dialyse von zuhause durchzuführen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Der Ablauf: So funktioniert die klassische Dialyse im Zentrum
Schritt 1: Vorbereitung
Sie werden gewogen und untersucht, damit festgelegt werden kann, wie viel Flüssigkeit entzogen werden soll.
Schritt 2: Anschluss
Das Pflegepersonal schließt Sie über an das Dialysegerät an.
Schritt 3: Reinigung
Ihr Blut fließt durch einen Filter im Gerät, wird dort von Giftstoffen und überschüssigem Wasser befreit und läuft wieder in den Körper zurück. Währenddessen können Sie lesen, essen schlafen oder fernsehen.
Schritt 4: Abschluss
Der Blutkreislauf wird wieder getrennt, die Nadeln werden entfernt und Blutdruck sowie Wohlbefinden werden kontrolliert.
Die 3 wichtigsten Fakten zum Shunt
- Ein Shunt verbindet eine Vene mit einer Arterie und wird meist am Unterarm angelegt.
- Nach der Anlage braucht er etwa 3–6 Wochen, um zu „reifen“ und voll belastbar zu sein.
- Ist der Shunt gut entwickelt, bietet er einen zuverlässigen Zugang zum Blutkreislauf für die Dialyse.
Wichtige Fragen zum Dialyse-Shunt
Hämodialyse: Risiken und Nebenwirkungen
Die Hämodialyse ist ein Verfahren, das seit vielen Jahren häufig eingesetzt wird. Deshalb sind Komplikationen und Nebenwirkungen eher selten. Trotzdem kann es natürlich zu verschiedenen Nebenwirkungen während der Dialyse kommen.
Um möglichen Nebenwirkungen vorzubeugen, werden verschiedene Laborwerte sowie der Blutdruck vor, während und nach der Dialyse kontrolliert. Da Sie im Dialysezentrum umfangreicher ärztlicher Kontrolle unterliegen, ist das Risiko sehr gering, dass es zu folgenschweren Nebenwirkungen kommt.
Werden Sie über mehrere Jahre lang mit der Dialyse behandelt, kann es unter Umständen zu Begleiterkrankungen kommen. Bei chronischer Niereninsuffizienz ist häufig auch das kardiovaskuläre System beeinträchtigt, weshalb es zu kardiovaskulären Erkrankungen kommen kann. Auch der Säure-Basen-Haushalt sowie der Gastrointestinaltrakt können Langzeit-Folgen davontragen. Weitere Langzeitkomplikationen können Hauterkrankungen, Infektionen oder Anämie (Blutarmut) sein.
Beispielhafte Nebenwirkungen
- Blutdruckabfall
- Muskelkrämpfe
- Übelkeit und Erbrechen
- Kopfschmerzen
- Juckreiz
- Rückenschmerzen
- Kreislaufprobleme
- selten auch Fieber und Schüttelfrost
Heimhämodialyse: Dialyse von Zuhause
Kann ich die Dialyse auch Zuhause durchführen? Unter bestimmten Umständen ist dies möglich. Die Hämodialyse von Zuhause, auch als Heimhämodialyse bezeichnet, bietet einen großen Vorteil - Sie müssen dafür nicht ins Dialysezentrum fahren. Damit einher gehen mehr Freiheiten sowie zeitliche Flexibilität. Patienten empfinden häufig, dass sich die Heimdialyse besser in den Alltag integrieren lässt und berichten über eine höhere Lebensqualität. Das klingt im ersten Moment super, jedoch bedeutet die Heimdialyse auch ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstdisziplin.
Als Patient müssen Sie bereit sein, sich aktiv an der Dialysebehandlung zu beteiligen und den Umgang mit dem Dialysegerät zu erlernen. Dies erfolgt in mehrwöchigen Schulungen in extra dafür vorgesehen Trainingszentren. An diesen Schulungen sollte auch ein Angehöriger oder Partner teilnehmen, um Sie bei der Heimhämodialyse unterstützen zu können.
Hämodialyse vs. Hämofiltration: Was ist eine Hämofiltration?
Die Hämofiltration ist mit der Hämodialyse verwandt, jedoch handelt es sich um ein anderes Verfahren. Das Ziel der Hämofiltration ist die Entgiftung des Körpers - deshalb kommt sie hauptsächlich bei akutem Nierenversagen, Vergiftungen oder Schock, stationär im Krankenhaus, zum Einsatz.
Die Hämofiltration basiert auf dem Prinzip der Ultrafiltration. Über eine Filtermembran werden dem Körper größere Mengen Flüssigkeit mitsamt der Giftstoffe entzogen. Dies geschieht wie bei der Hämodialyse außerhalb des Körpers. Der große Unterschied besteht jedoch darin, dass es bei der Hämofiltration kein Dialysat gibt. Die entzogene Flüssigkeit wird dem Körper über eine Elektrolytlösung wieder zugeführt. Die Hämofiltration erfolgt kontinuierlich über mindestens 24 Stunden, somit ist der Zeitaufwand höher als bei der Hämodialyse.
Häufige Fragen zur Dialyse (FAQ)
Alltag mit Dialyse meistern


Erfahren Sie hier, wie lange eine Dialyse dauert und wie diese genau abläuft.

Quellen
- Birck, R., Weinreich, T., & Nowack, R. (2009). Dialyse und Nephrologie für Fachpersonal. R. Nowack (Ed.). Heidelberg: Springer.
- Ghadban, T., Weissmann, V., Ittrich, H., Janneck, M., & König, A. (2016). Shuntchirurgie für die Dialyse. Allgemein-und Viszeralchirurgie up2date, 10(03), 203-218.
- Geberth, S., & Nowack, R. (2011). Praxis der Dialyse. Berlin Heidelberg New York: Springer.
- Hollenbeck, M., Mickley, V., Brunkwall, J., Daum, H., Haage, P., Ranft, J., ... & Vorwerk, D. (2009). Gefäßzugang zur hämodialyse. Der Nephrologe, 4(2), 158-176.


